Dein Browser hat 12 KI-Tabs offen. Du brauchst 3.New Broadcast


Tool-Sammeln ist kein Fortschritt. Es ist Prokrastination mit besserer PR.

Darf ich was zugeben?

Mein erstes Newsletter-Thumbnail hat zwei Stunden gedauert.

Midjourney öffnen. Prompt schreiben. Bild generieren. „Nicht ganz.” Ideogram öffnen. Prompt umschreiben. Bild generieren. „Hmm.” Leonardo.ai öffnen. Variante drei. Variante vier. Variante zwölf. Zurück zu Midjourney.

Drei Tools parallel offen. Alle nur in der Gratis-Version – die Abos wären für meinen Gebrauch viel zu teuer gewesen. Also jongliere ich Limits, warte auf Credits, springe zwischen Tabs.

Am Ende? Nehme ich fast immer das erste Bild. Das, das ich nach den ersten fünf Minuten schon hatte.

Zwei Stunden. Für ein Thumbnail. Das war kein Spaß mehr.

Du kennst das vermutlich. Vielleicht nicht bei Bildern – aber irgendwo. ChatGPT-Tab offen. Claude-Tab offen. Gemini im Hintergrund. Ein Tutorial sagt: „Nimm Tool A.” Der nächste schwört auf Tool B. Du springst.

Das war kein Tool-Problem.

Das war ein System-Problem.

Wer im Chaos Klarheit will, baut einen Stack

Ich habe aufgehört, Tools zu sammeln.

Stattdessen habe ich mir eine Frage gestellt: Welche Art von Arbeit mache ich gerade?

Die Antwort entscheidet, welches Tool ich öffne. Nicht das Tutorial. Nicht der LinkedIn-Post. Nicht das nächste „Du-musst-das-haben”-Tutorial.

Mein Stack hat drei Ebenen. Nicht mehr.

Ebene 1: DENKEN — wenn du eine Antwort brauchst

Du hast eine Frage. Du brauchst einen Gedanken. Eine Recherche. Ein erstes Bild.

Werkzeug: Claude, ChatGPT, Gemini. Für Bilder: gpt-image-2, gemini-3-pro-image, Midjourney, Leonardo.ai, Ideogram.

Das sind Textgeneratoren und Bildgeneratoren. Sie liefern dir einen Output – du arbeitest damit weiter.

Konkretes Beispiel aus meiner Woche: Mir fehlte für diesen Newsletter eine Statistik zur DACH-KI-Adoption. Drei Minuten Claude. Quelle, Zahl, Kontext. Weiter im Text.

Das hier ist deine Standard-Ebene. 80 % der KI-Nutzung der meisten Solopreneure findet hier statt – und hört hier auch auf. Schade.

KI-Kommunikation ist Diplomatie — du baust eine Beziehung zum Modell auf, indem du verstehst, was es braucht, um dir zu liefern, was du brauchst.

Wer das auf Ebene 1 nicht gelernt hat, wird auf Ebene 2 und 3 scheitern. Punkt.

Ebene 2: HANDELN — wenn du eine erledigte Aufgabe brauchst

Du brauchst nicht einen Gedanken. Du brauchst ein Ergebnis. Eine fertige Präsentation. Eine deployte Landingpage. Eine ausgefüllte Excel.

Werkzeug: Claude Code/Claude Cowork, Codex. Spezialisten: Lovable für Apps und Webseiten, Canva für Design.

Das sind KI-Agents. Sie öffnen Tabs, klicken Buttons, schreiben Code, befüllen Formulare. Du gibst den Auftrag. Du prüfst das Ergebnis.

Letzte Woche: Workshop kurzfristig angefragt. Anfrage am Vortag, Termin am Folgetag. Ich habe Claude Cowork aufgesetzt, Outline reingegeben, 30 Minuten später lag die Präsentation in meinem Drive. Ich habe sie geöffnet, drei Slides geschärft, fertig.

Ohne diese Ebene hätte ich den ganzen Donnerstagabend daran gesessen.

Wichtig: Ein KI-Agent ist nichts anderes als ein Praktikant, der nicht schläft. Du musst ihm sagen, was du willst. Du musst seine Arbeit prüfen. Aber er erledigt die Aufgabe – während du was anderes machst.

Ebene 3: AUTOMATISIEREN — wenn es ohne dich laufen soll

Eine Aufgabe wiederholt sich. Jeden Tag. Jede Woche. Jeden Eingang.

Werkzeug: Relay.app, n8n.

Das sind keine Chat-Tools mehr. Das sind Workflows. Ein Trigger startet sie, sie laufen durch, du wirst nur informiert wenn nötig.

Mein Beispiel hatte ich in Newsletter #31 beschrieben: Voice Agent, der nachts Anfragen annimmt, qualifiziert und Termine in den Kalender bucht. Während ich schlafe.

Ein anderes: Email-Vorfilter, der morgens das Postfach durchgeht und für jede Mail eine Drei-Zeilen-Zusammenfassung in eine eigene Mail zusammenfasst und mir schickt. Was muss ich heute beantworten? Was kann warten? Was ist Müll? Mein Tag startet mit Klarheit, nicht mit 47 ungelesenen Mails.

Auf dieser Ebene wird KI vom Werkzeug zum Mitarbeiter. Aber – und das ist wichtig – nur wenn die Aufgabe sich wirklich wiederholt. Sonst lohnt sich die Setup-Zeit nicht.

Die Eine Frage, die alles sortiert

Bevor du das nächste Mal ein KI-Tool öffnest, frag dich:

Soll es allein laufen oder mache ich’s selbst? → Allein laufen → Ebene 3 (Automatisieren) → Selbst → eine zweite Frage

Brauche ich einen Gedanken oder eine erledigte Aufgabe? → Gedanke → Ebene 1 (Denken) → Aufgabe → Ebene 2 (Handeln)

Zwei Fragen. Drei Ebenen. Du weißt immer, welches Tool du öffnest.

Schnell-Check für deine eigene Praxis

  • Hast du gerade mehr als drei KI-Tools gleichzeitig offen, ohne zu wissen warum?
  • Wechselst du Tools, weil ein Tutorial es empfiehlt – oder weil deine Aufgabe es erfordert?
  • Kannst du jedem deiner Tools EINE Ebene zuordnen – oder schwimmen sie alle in der Mitte?
  • Welche Aufgabe machst du diese Woche zum dritten Mal manuell, obwohl Ebene 3 sie übernehmen könnte?

Wenn du bei einer Frage zögerst – da liegt dein Hebel.

Was möglich wird, wenn du sortierst

Du verbringst nicht mehr 20 Minuten damit zu entscheiden, welches Tool das richtige ist.

Du sammelst nicht mehr Tools, weil ein LinkedIn-Post sie hypt.

Du nutzt drei Tools richtig statt zwölf halb.

Und das wichtigste: Du arbeitest mit Klarheit, nicht mit FOMO.

Welche Ebene fehlt in deinem Stack gerade am meisten — und welches Tool aus den anderen Ebenen würdest du dafür rauswerfen?

Hit Reply oder kommentiere. Ich lese alles.

Bis nächste Woche, Hans Peter

P.S. Tool-Sammler beruhigen sich, indem sie kaufen. Stack-Bauer arbeiten weniger und liefern mehr.

P.P.S. Du willst sehen, wie ein Stack in der Praxis aussieht — live, an einem konkreten Use Case? Im Webinar „Dein erster KI-Mitarbeiter — live aufgesetzt in 45 Minuten” zeige ich genau das. Antworte auf diese Mail, dann schick ich dir den nächsten Termin.

Hans Peter Heitzmann

Für Solopreneure, Berater & Coaches im DACH-Raum, die KI praktisch einsetzen wollen – ohne Technik-Studium. Jede Woche: ein konkretes Problem, eine KI-Lösung, sofort umsetzbar.

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